Alkohol

 

Alkohol wie sehr ich dich hasse,

es nicht fasse,

wie viele dir verfallen sind,

gefühlt schon jedes Kind.

In den Medien stehst du für Freiheit,

im wahren Leben tröstest du bei Leid.

Welch Trugschluss, denn du machst alles viel schlimmer,

man braucht dich plötzlich und das immer,

Gewimmer,

im dunklen Zimmer,

heimlich dann in jeder Ecke,

man dich verstecke,

am liebsten verrecke,

ohne dich.

Du bist mein allerbester Freund,

so lang habe ich davon geträumt,

endlich nicht mehr einsam zu sein,

mit dir bin ich nicht mehr allein.

Oh Alkohol, lass mich nicht im Stich,

denn ohne dich,

wäre ich nicht mehr ich,

würde nichts mehr aushalten,

diese Gestalten.

Wie soll ich sie ertragen,

an schlechten Tagen,

mich hinauswagen?

So viele Fragen.

Du gibst mir so viel Selbstvertrauen.

Ich trau mich andere Menschen zu hauen.

Was sind sie auch so gemein zu mir,

missgönnen mir mein geliebtes Bier.

Reden von Problemen und von Sucht,

ich hab sie so oft verflucht.

Sagen sie wollen mir nur helfen,

doch warum sollen für mich andere Regeln gelten?

Wieso ist mein Schnaps verkehrt,

während ihr den Wein verehrt?

Zu Fisch ein Wein,

das darf sein,

zur Pizza ein Bier,

das lob ich mir,

zur Party einmal Berliner Luft,

oh wie mich die Glückseligkeit ruft,

ein Cocktail in einer Berliner Bar,

das klingt doch ganz wunderbar,

zum Anstoßen ein prickelnder Sekt,

keiner ihn heimlich in einer Ecke versteckt,

auch zum Alkopop,

sagt niemand Stopp,

warum auch, ist doch nur ein bisschen,

da hab ich auch kein schlechtes Gewisschen,

wenn es kalt ist, ein Grog, ganz heiß,

jeder um die wärmende Wirkung weiß.

Eis mit Kirschen und Eierlikör,

an heißen Tagen ich darauf schwör.

Der Hals tut weh, ich nehme Vodka mit Pfeffer,

Schmerzen weg, Volltreffer,

mein Magen so schwer, zu viel gegessen,

den Kräuter danach bitte nicht vergessen.

Jeder in unserer Gesellschaft trinkt,

doch ich finde, dass das gewaltig stinkt,

dass man in der Ansicht sinkt,

wenn einem das richtige Maß einmal misslingt,

dabei ist der Kater doch schon Strafe genug,

ist es nicht totaler Selbstbetrug,

euch einzureden, ihr wärt besser,

halten in meiner Wunde das spitze Messer,

um euch dadurch besser zu fühlen,

wir sitzen auf den selben Stühlen,

ich und du, wir sind beides Menschen,

die versuchen, unsere Probleme zu bekämpfen,

dir kann das zu viel genauso passieren,

manchmal ist es wie jonglieren,

das richtige Maß einzuhalten,

Vorsicht muss walten,

bei jedem, der diesen Scheiß zu sich nimmt.

Es stimmt.

Gib doch endlich zu,

ich bin nicht schlechter als du.

Doch ich kümmer mich nun wieder um mich selbst,

Entgiftung, Entzug, Adaption und neues Leben,

ich hab es geschafft, wonach willst du nun streben?

Alkohol oh Alkohol,

 

Lebe wohl!

 

Photo by Quadronet/ Pixabay

 

 

 

Wenn du nicht mehr da bist

 

Dein Licht erlischt aus heiterem Himmel.

Es wird dunkel.

Schwarze Nacht umhüllt meinen Geist.

Mir wird eiskalt.

Ich habe Angst.

Ich kann dich nicht mehr sehen.

Alles ist schwarz.

So düster wie die Nacht es nicht schafft.

Eine Lawine der Traurigkeit durchflutet meinen Körper.

Tränen strömen durchs Land.

Die Trauerweide verliert ihr Gewand.

Ich fühle mich nackt wie die Bäume im Winter.

Zittere ganz unbeschützt.

Ich habe Angst.

Wo bist du jetzt?

Und wieso musstest du gehen?

Konntest du dem strahlenden Licht nicht widerstehen?

Ich brauch dich hier, wer bin ich ohne dich?

Ein Kind ohne Mutter ist wie die Berge ohne Tal.

Wie ein Fisch ohne das Wasser.

Wie Ebbe ohne Flut.

Wie ein Mensch ohne Atmen.

Du bist nun ein Mensch ohne Atem.

Mein Hals schnürt sich zu.

Auch meine Luft geht davon.

Ich bleibe ohne Luft und ohne dich.

Will zu dir.

Möchte bei dir sein.

Dich umarmen.

Deine mütterliche Liebe nur noch ein Hauch der Erinnerung.

Wenn du nicht mehr da bist, will ich auch nicht sein.

Warte auf mich.

Ich komm zu dir

 

 

 

 

 

Gefühle

 

Wir lernen früh, sie zu ignorieren,

das geht uns ein Leben lang an die Nieren.

Wir sollen sie nicht zu ernst nehmen,

uns beschäftigen mit den wichtigen Themen.

Fressen Kummer in uns rein,

anstatt mal ordentlich zu weinen.

Wir sollen unsere Gefühle steuern,

sonst wird unser Chef uns noch feuern.

So beginnen wir sie zu betäuben,

auch wenn wir uns zunächst noch sträuben,

doch dann merken wir, wie viel leichter es ist,

plötzlich ist er weg, der ganze Mist.

Nach vielen Jahren sind unsere Probleme jedoch,

viel größer, wir stecken in einem Loch,

aus Einsamkeit,

Traurigkeit,

sehr viel Leid.

Wenn wir wirklich nicht mehr können,

uns nichts Schönes mehr gönnen,

dann holen wir uns endlich Hilfe, eine Therapie.

Therapeutin sagt: Tun Sie bitte eines nie:

Unterdrücken Sie nicht mehr Ihre Gefühle,

legen Sie ab, Ihre lächelnde Hülle.

Lernen Sie, wieder auszuhalten,

es wird Sie nicht zerspalten.

In Ihrer Vorstellung ist alles viel schlimmer,

so ist es immer,

als es am Ende wirklich ist,

haben Sie manche Gefühle nicht sogar vermisst?

Hören Sie auf einen Wasserball,

hinunterzudrücken, sonst gibt es einen Knall.

Kein Wunder, dass Sie so erschöpft sind.

Nun gehen Sie raus, in diese Welt,

erforschen Sie wieder, was Ihnen gefällt,

und wenn die Tränen in Anmarsch sind,

handeln Sie geschwind,

in dem Sie nichts tun, außer zu weinen,

stören wird es keinen,

denn Gefühle machen Sie normal,

Sie sind keine Qual.

Nur unsere Bewertung macht sie zu dieser,

dadurch wird unsere Laune mieser,

also nehmen Sie Ihre Gefühle an,

egal ob Frau, oder Mann,

Sie sind dran!

 

 

 

Erinnerung

 

Es gibt da diese Erinnerung,

sie läuft seit Jahren davor davon.

Sie versucht krampfhaft, sie nicht zuzulassen,

sie will doch niemanden hassen.

All ihre Kraft verwendet sie darauf,

doch die Dinge nehmen ihren Lauf.

Der Körper vergisst nicht so schnell, er vergisst nie,

ein Schwall aus Schmerzen überfällt sie.

Ihr Magen zieht sich zusammen, er tut weh,

Übelkeit wandert von ihrem Kopf bis zum kleinen Zeh.

Wenn sie die Augen schließt, wird es gefährlich,

die Bilder, die sie sieht, zu ehrlich.

Jedes Detail sieht sie ganz genau,

Gedankenstau.

Augen auf, weitermachen, 

wieder lachen.

 

 (gewidmet für L.)

 

 

 

Gebrochene Herzen

 

Zwei gebrochene Herzen begegnen sich,

schnuppern, tasten, lauschen,

ziehen weiter,

die Angst zu groß,

blicken zurück,

blicken nach vorn,

blicken sich in die Augen,

erkennen sich,

trauen sich nicht,

teilen Zeit,

teilen Wort,

teilen Lachen,

Lachen,

das endlich zurückkehrt in ihr Leben,

Angst, sich zu verlieren,

schon wieder,

noch einmal würden sie es nicht überleben,

sie kleben

ihre Scherben zusammen,

zwei gebrochene Herzen,

sie vereinen sich,

sie verschmelzen,

sie heilen,

sie lieben,

sie wagen es,

zwei gebrochene Herzen werden eins,

zwei gebrochene Herzen fangen neu an,

es entsteht

Liebe

 

Photo by autumnsgoddess0/ Pixabay

 

 

 

Braves Wesen

 

Weiße Wände,

zarte Hände,

lange Haare,

Gott bewahre,

so ein braves liebesvolles Wesen,

sehr belesen,

tut immer nur, was richtig ist,

niemals einen anderen vergisst,

immer dabei, Gutes zu verbreiten,

nie zu streiten,

Liebe zu schenken,

Beine ausrenken,

lächelt allen ins Gesicht,

verliert seit Wochen ihr Gewicht,

das Einzige, dass sie noch unter Kontrolle hat,

fühlt sich matt,

müde und so sehr erschöpft,

wie geköpft,

ihr Körper tut, was sie verlangt,

niemand um ihre Seele bangt,

nur sie selbst weiß es insgeheim,

sie ist ganz allein,

steht auf eigenen Beinen,

muss heimlich weinen,

stark sein und lächeln, wie man sie kennt,

erschrickt jedes Mal, wenn man ihren Namen nennt.

Wer ist die Frau, die alle lieben?

 

Wird die Maske am Ende siegen?

 

 

 

 

Kein Schmetterling

 

Wie es mir geht, frage ich mich.

Ich fühle mich leer und stehe irgendwie neben mir. Seit du weg bist, ist alles ganz still geworden. Merkwürdigerweise auch der Schmerz. Irgendwie betäubt. Die ganzen Monate fühlte es sich an, als würde ich fallen, ich habe immer und immer wieder gehofft, dass du mich am Ende auffangen wirst. Jetzt weiß ich, dass du es wohl nicht schaffst. Ich musste also das letzte bisschen Kraft nehmen, ein wenig sammeln, um mich dann von selbst wieder hoch zu kämpfen, bis es irgendwann wieder ein glückliches Fliegen wird.

 

Fliegen wie Schmetterlinge. Kunterbunt durch die Welt flattern, fröhlich durch die Luft tänzelnd. Jedes Mal, wenn wir zusammen waren, dachte ich, einer dieser Schmetterlinge zu sein. Ich fühlte mich wunderschön, glücklich, befreit, verliebt. Ich hatte Hoffnung, dass du mit mir gemeinsam durch die Welt tanzen wirst und wir unbeschwert von Blume zu Blume hüpfen werden.

 

Ich bin irgendwie stolz auf mich, dass ich den Absprung endlich geschafft hab, auch wenn das Ganze wahrscheinlich noch nicht ganz vorbei ist und noch ein wenig Kraft kosten wird, habe ich mich doch von selbst befreit. Und während ich vorher nur verzweifelt war und ich mich handlungsunfähig fühlte, geht es mir jetzt besser. Es ist, als hätte ich ein Stück meiner Unabhängigkeit wieder. Ich habe etwas für mich getan, mich aus einer Situation befreit, die mir nicht guttat und die mich nach und nach immer mehr kaputt gemacht hat. Vielleicht war es auch gar keine kraftvolle mutige Tat, vielleicht war es einfach nur ein schmerzhafter Reflex, so wie man die Hand wegzieht, wenn man sie auf die heiße Herdplatte legt. Dich mit einer heißen Herdplatte zu vergleichen klingt auch gar nicht so abwegig. Du bist gefährlich für mein Herz. So wie die Herdplatte für die besagte Hand.

 

Wenn du weg warst, kamen Zweifel am Schmetterling Dasein auf. Es wurde dunkel um mich. Panisch flatterte ich zum Licht, in der Hoffnung, dich dort zu finden. Einsam und allein, verzweifelt und voller Angst war das der einzige Ausweg, den ich sah. Ich flog so schnell ich konnte zu diesem hellen Licht. Was hätte ich sonst tun sollen?

 

Ich bin ok. Ich habe das alles schon einmal mit dir durch. Da war es anders. Anscheinend wirkt mein Schutzpanzer jetzt endlich oder mir fehlt einfach die Kraft, um noch weiter traurig zu sein. Vielleicht habe ich Hornhaut an der Hand, weil ich zu oft auf die Herdplatte gefasst habe. Vielleicht hilft mir auch, dass du leidest und du dich immer fragen wirst, was wäre wenn, und das ich mir sicher bin, dass du es bereuen wirst, nicht gekämpft zu haben. Ich ärgere mich, dass du nicht den Mut hast, um mich zu kämpfen, aber du wirst dich immer mehr ärgern und wahrscheinlich daran verzweifeln. Das macht mich traurig, weil ich immer nur wollte, dass du glücklich bist. Deine Depressionen werden schlimmer werden und deine Beziehung am Ende trotzdem scheitern. Es wird dir helfen, dass du es wahrscheinlich nicht allein warst, der sie beendet hat, aber ist das ein Trost?

 

Das Licht war wunderschön aus der Ferne. Alles strahlte so fröhlich. Funkeln, Glitzern, das waren die Erinnerungen, die ich habe. Doch umso näher ich kam, desto mehr Zweifel kamen an meinem Sein auf. Habe ich mir eingebildet ein Schmetterling zu sein? Was ist, wenn ich nur eine Motte bin, dann wird mich das Licht töten. Wie soll ich es herausfinden, wenn ich es nicht versuche und was kann ich stattdessen tun? Ich erreiche das Licht und zerfalle, falle, falle.

 

Ich frage mich, ob Motten, kurz bevor sie das Licht erreichen, merken, dass es sie umbringen wird? Ob sie zweifeln, ob sie es wissen, ob sie glauben, keine andere Wahl zu haben oder denken, dass sie mutig seien, weil sie es ausprobieren und nichts unversucht lassen wollen, um sich aus der dunklen Welt zu retten? Was hätte ich schon anderes tun sollen? Wann hätte ich mich aus der Situation befreien sollen? Wann hätte ich den Absprung wagen sollen und warum zur Hölle bin ich überhaupt aufgesprungen. Das ist wahrscheinlich alles nicht mehr so wichtig. Du bist weg und ein langer Weg steht mir bevor, bis es mir wieder gut geht, aber ich werde mich bald wieder zurück kämpfen. Nicht zu einem Licht, egal wie schön es ist, sondern zu mir selbst.

 

Nun falle ich und es hört einfach nicht auf. Mich gibt es nicht mehr. Ich bin nur noch Staub, der sich überall hin verbreitet, kein fester Platz, kein schimmerndes Hoffnung verbreitendes Licht. Ich verstehe jetzt, dass ich eine Motte bin und Licht nicht mein Anker sein kann. Und das fühlt sich überraschend gut an. Ich werde mir nicht mehr einbilden, ein Schmetterling zu sein oder irgendwas anderes. Ich bin ich und das ist okay.

 

 

Photo by AdinaVoicu/ Pixabay