Angst vor Erfolg

Zugegeben, das klingt reißerisch. Hat man nicht eher Angst vorm Scheitern? Und dann kommt da jemand daher und sagt, dass sie Angst vor Erfolg hat?

 

 

Nun ja, ich bin selbst überrascht, doch in letzter Zeit war etwas komisch. Ich habe großartige Projekte vor mir und freue mich total auf die Aufgaben, doch irgendetwas hat mich ausgebremst und ich konnte es nicht richtig greifen. Und dann fiel der Groschen.

Ich habe keine Angst mehr vorm Scheitern, denn ganz ehrlich, wenn das aktuelle Buch ein Flop wird, dann kommt eben das Nächste und so weiter. Ich liebe was ich tue und ich stecke all meine Energie hinein, also wird das schon. Doch was, wenn es gut wird? Wenn es richtig gut wird? Und wieso macht mir das solche Angst?

 

Um mit Dingen umgehen zu können, muss ich sie verstehen, also ging ich in die Erforschung und habe ein wenig recherchiert, mit Autorenkollegen gesprochen und stellte schnell fest, ich bin damit nicht allein. Während eine Kollegin mir berichtete, dass sie eher Angst hat, dass sie dann alles erreicht hat und es dann nicht mehr weiter geht, wusste ich, bei mir ist es etwas anderes. Also suchte ich weiter.

Manchmal steht man eben auf dem Schlauch und so kam ich allein nicht weiter und dann fand ich einen Artikel, der die richtigen Fragen gestellt hat. Ich stelle euch mehrere Ansätze vor, da es ja bei jedem ein anderer Grund sein kann.

 

  • Wird mich mein Umfeld noch mögen?

 

Okay, diese Frage hat nichts mit meinem Problem zu tun, aber ich denke, dass sie durchaus berechtigt ist. Wenn man wächst, dann muss man sein komplettes Mindset ändern. Man kann nicht einfach man selbst bleiben und alles machen wie immer und plötzlich ist man erfolgreich. Zumindest ist das mein Glauben. Mann kann zwar im Lotto gewinnen, doch wahrscheinlich ist das Geld aus den falschen Glaubenssätzen dann schnell wieder weg.

Ich merke aber auch, wie sich durch meinen neuen Beruf meine Sprache ändert und sich Freunde liebevoll darüber lustig machen. „Boah, Sandy, ich muss echt mit dir schimpfen. Du hast in einem Video Learning gesagt. Warum redest du so?“ Sorry :D Aber ich habe mittlerweile nur noch tolle Menschen um mich, die werden das verstehen und an meiner Seite bleiben. Deshalb ist das zwar ein wichtiger Punkt, aber nicht mein Auslöser für die Blockade.

 

Die nächste Frage kommt meinem Problem schon ein wenig näher, doch ist noch nicht so ganz die Lösung.

 

  • Werde ich die höheren Erwartungen, die der Erfolg an mich stellt, erfüllen können?

 

Kennt ihr das, wenn alle denken, die schafft das schon, ihr euch aber überhaupt nicht sicher seid? Sobald ein Business wächst, muss man professioneller werden. Bin ich dafür gut genug? Weiß ich genug? Kann ich das? Will ich das?

 

Die nächste Frage trifft bei mir genau ins Schwarze.

 

  • Was passiert, wenn ich Erfolg habe? Will ich das?

 

Das klingt erstmal sehr ironisch. Ob ich Erfolg will? Klar, jeder will das. Oder?

Doch ganz ehrlich, in meinem Magen fühlt es sich an, als hätte ich zu viel schwarzen Kaffee getrunken, wenn ich daran denke. Da haben wir also das Problem gefunden. Doch warum? Wieso macht mir das solche Angst?

 

Ich gehe also das ganze Szenario durch. Wie sieht mein Leben aus, wenn ich erfolgreich bin. Was genau fürchte ich? Wie wäre mein Tag gefüllt, mit welchen Aufgaben, welcher Umfang und so weiter und ich stelle fest, es ist mein Glaubenssatz, den ich in mir trage, der tief verankert ist. Erfolg bedeutet keine Zeit zu haben. Erfolg bedeutet harte Arbeit. Bäm. Da haben wir das Problem gefunden.

 

Wie einige von euch wissen, hatte ich zwei Burnouts. Zeit ist für mich immer ein Thema gewesen. Ich hatte nie welche und ich habe verdammt große Angst, wieder so ein Leben zu führen. Im letzten Jahr habe ich gelernt, dass man auch Erfolg haben kann, ohne sich selbst zu verlieren. Ich habe zwar sehr viel dafür getan, dass ich jetzt an diesem Punkt stehe, doch ich habe immer dafür gesorgt, dass ich genügend Auszeiten für mich hatte. Ich bin oft verreist, habe viel Zeit mit Freunden verbracht, aber auch sehr viel Zeit allein. Täglich schaffe ich mir Freiraum durch lange Mittagspausen, in denen ich meditiere, mir Reiki gebe, im Park spaziere. Ich kümmere mich um mich selbst. Klappt meistens ganz gut, wenn nicht, erinnert mich mein Körper ziemlich schnell daran.

 

Doch ich frage mich, wie ich das alles schaffen soll, wenn ich mehr Erfolg habe, weil dann muss ich doch noch mehr tun. Als kleines Beispiel. Ich antworte jedem in den Sozialen Netzwerken und ich liebe all eure Nachrichten und Fragen, Leserbriefe und lieben Worte. Doch wie soll ich die Zeit finden, alles zu beantworten, wenn es vielleicht doppelt so viele sind? Mir ist das wichtig. Doch dann höre ich schon meine Mama sagen, dass ich mir über ungelegte Eier keine Sorgen machen soll. Und sie hat ja recht.

 

Aber dann die nächste Frage. Ein Buch hat seinen eigenen Rhythmus. Mittlerweile habe ich einige Manuskripte hier zu liegen und jedes bedarf sein eigenes Tempo. Wenn ich nun aber erfolgreich bin und das bleiben möchte, muss ich dann nicht fünf Bücher im Jahr rausbringen? Und können die dann überhaupt noch gut sein, wenn ich sie wie auf Band produziere? Und vor allem, macht es dann noch Spaß? Doch auch da weiß ich, kann ich mir und meinem Instinkt vertrauen. Ich habe ein gutes Gespür dafür, ob ein Buch mehr Zeit braucht und ich nehme mir die Zeit, die ich brauche. Und wenn ich das tue, können ja vielleicht trotzdem fünf Büchern im Jahr entstehen, ohne Druck.

 

Doch wie bekämpfe ich mein Problem? Anscheinend ist es tief verankert, ich habe schließlich mein Leben lang hart und viel gearbeitet, um Erfolg zu haben und hatte nie Zeit, was zu Krankheiten führte. Wie also trichtere ich mir das aus?

 

Ich habe alle Zeit der Welt

 

Und dann kam ein Video von Bodo Schäfer, den ich in letzter Zeit sehr oft schaue, um mein Denken bezüglich Geld umzuwandeln. In diesem Video hat er die perfekten Worte für mich gefunden. Er sagte, dass wir nicht mehr sagen dürfen, dass wir keine Zeit haben, weil wir das dann anziehen. Klingt logisch, denn er redet vom Gesetz der Anziehung. Meinem Lieblingsthema. Wir sollen stattdessen sagen: „Ich habe alle Zeit der Welt!“

 

Sobald ich diese Zeilen ausgesprochen habe, änderte sich etwas in meinem Körper. Ich ging dann erstmal spazieren, um darüber nachzudenken und sobald ich mir innerlich diese Worte sagte, wurde mein Tempo langsamer. Das war irre. Der Satz bewirkt etwas. Ich arbeite ja viel mit Affirmationen und diese baue ich nun in meinem Alltag ein. Und was soll ich sagen. Ich widerholte immer wieder, dass ich alle Zeit der Welt habe und am Abend erledigte ich eine Aufgabe, die zu den Sachen zählte, auf die ich Lust hatte, aber vor denen ich Angst hatte, wenn sie gut funktionieren und sie deshalb aufschob und nun bin ich einen Schritt weiter. Ich glaube der Knoten ist geplatzt.

 

Außerdem kann es auch helfen seinen Fokus darauf zu konzentrieren, was im besten Fall passieren könnte. Ich kann zum Beispiel aufhören, darüber nachzudenken, was passiert, wenn ich keine Zeit habe, sondern wie toll es wäre, wenn ich finanziell sorgenfrei leben kann.

 

Ich hoffe, wenn ich euch zeige, wie ich mich analysiere und an mir arbeite, dass euch das auch helfen kann, wenn ihr innere Blockaden spürt und nicht weiterwisst. Ihr könnt mich auch gern fragen, damit ich weiß, wo ihr gerade steht, welches Thema euch beschäftigt, worüber ihr gern mehr hören wollt.