Interview mit Robert Rittermann

Ich habe Robert Rittermann auf der BuchBerlin kennengelernt. "Lost Project" liegt schon lesebereit auf meinem Kindl. Ich habe ihm für euch ein paar Fragen gestellt, aber lest gern selbst :)

 

Robert, stell dich doch am besten kurz für meine Leser vor.

Ich bin Robert Rittermann, bin 1983 geboren und wohne in Wuppertal. Hauptberuflich arbeite ich als User Interface-Designer und nebenbei bin ich Schriftsteller und Illustrator. Aktuell schreibe ich am dritten Teil meiner Paläo-Science-Fiction-Trilogie »Lost Project«.

 

Wie kamst du zum Schreiben?

Dass ich endlich mit dem Schreiben angefangen habe, fällt mit dem Ausstieg aus meiner damaligen Band 2013 zusammen. Damals empfand ich uns in einer Sackgasse, was die Planung unseres zweiten Albums anging. Schweren Herzens habe ich mich also von meinen langjährigen Freunden bandtechnisch getrennt und hatte fortan zwei Abende in der Woche Zeit für andere Dinge. Ich habe schon ziemlich lange ziemlich viele Ideen für verschiedenste Stories und halte diese in einem gut gepflegten Verzeichnis auf meinem Rechner fest. Heimlich und ohne anderen etwas davon zu erzählen, träumte ich davon, all diese Ideen eines Tages verwirklicht zu sehen. Wie gesagt, ich träumte davon. Zum Schreiben eines Romans fühlte ich mich nicht bereit, ja sogar irgendwie unwürdig. In der Schule war ich in Deutsch weder besonders gut noch besonders schlecht und mein Designstudium hat auch nur wenig zu meiner sprachlichen und schreiberischen Ausbildung beigetragen. Aber ich wollte endlich meine Ideen umsetzen und so habe ich überlegt, wie ich es angehe. Ich beschloss, mit einem kleinen Projekt zu starten. Mit klein meinte ich schriftstellerisch klein. Und so habe ich während der freien Abende an meinem ersten Kinderbuch geschrieben. Und seitdem schreibe ich.

  

Wie lange arbeitest du an einem Projekt?

Meistens länger als geplant ;) Aber mal Scherz beiseite. Das kommt auf den Umfang an. Für meine beiden Romane habe ich jeweils ein dreiviertel Jahr gebraucht. Ich habe eine Familie und einen Job und da bleibt meist nur abends Zeit für meine Geschichten. Ich versuche die Projekte nur so grob wie möglich zu planen, weil ich ansonsten früher oder später meinen eigenen Plan sabotieren würde. Mir reicht es, wenn ich die anstehenden Tätigkeiten in meiner Memo-App festhalte. Wenn ein Meilenstein ansteht, ploppen die dazugehörigen Themen von allein auf. Ich habe also eine Streamline-Roadmap und fahre mit den kleineren Tasks auf Sicht. Für meinen Comic »White« habe ich zwei Wochen gebraucht. Der ist mit 24 Seiten aber eher eine Kurzgeschichte.

  

Hast du ein Lieblingsprojekt?

Meine Lost Project-Trilogie hat es mir im Moment sehr angetan. Wer mir auf Instagram folgt, weiß, dass ich ein großer Dinosaurierfan bin. Und da macht es natürlich Spaß, mir diese Stories auszudenken.

Zwischen all dem Schreiben machen mir die Illustrationsprojekte großen Spaß. Ob es jetzt Buchcover, Innenillustrationen für Selfpublisher oder Plattencover und Musikvideos für Bands sind: Diese vergleichsweise kurzen Projekte lockern die längeren etwas auf.

  

Warum hast du dich für Selfpublishing entschieden?

Mein Kinderbuch »Vincent. Das ungruselige Ungeheuer« erschien beim Dix Verlag. Es ist sehr komfortabel, weil sich der Verlag um Lektorat, Satz, Layout, Herstellung, Werbung, Wettbewerbe und Verkauf bemüht. Auf der anderen Seite habe ich auch nie die volle Entscheidungsfreiheit und außerdem fällt das Honorar mit 0,82 Cent pro Buch branchenüblich recht bescheiden aus. Der Verlag ist klein und hat daher auch nur begrenzte Möglichkeiten viele Bücher abzusetzen.

Aus diesem Grund wollte ich einfach mal versuchen, ob ich mit selbst verlegten Büchern mindestens gleich oder sogar besser fahre. Denn als Selfpublisher habe ich die volle Kontrolle über meine Geschichten. Das ist ein wahnsinnig gutes Gefühl. Das heißt aber auch, dass ich mich allein um Lektorat, Satz, Layout, Herstellung, Werbung, Wettbewerbe und Verkauf bemühen muss. Ein Haufen Arbeit also. Und hier lerne ich gerade noch so viel.

Spät abends aktualisiere ich ständig meine Webseite, weil ich Dinge hinzufüge oder abändere. Oder aber ich lese mir Marketingtipps durch, während ich meine Kinder ins Bett bringe. All meine Schriftstellertätigkeiten finden nach oder vor meinem Tag als arbeitender Familienvater statt.

 

 Worin siehst du die großen Herausforderungen des Schriftstellerlebens?

Als Schriftsteller entbehrt man sich sehr vieler Dinge. Freizeit, Freunde, Netflix zum Beispiel. Ich finde das Schriftstellerleben hat viele Parallelen mit dem Musikerleben. Beide Gewerke versuchen ihre Vision gegen alle Widrigkeiten in die Welt zu tragen. Am wichtigsten ist, dass du immer weiter machst, auch wenn die Widerstände unbezwingbar scheinen. Selbst wenn niemand einen Cent auf dich setzt und alle dir vom Schreiben abraten. Der größte Teil der Gesellschaft kann sich einfach nicht vorstellen, dass es Menschen gibt, die sich kreativ ausdrücken müssen. Sei es aus Spaß oder um ihre Sicht der Dinge zu vermitteln oder einfach, um ihre Erlebnisse in einer für sie unpassenden Welt zu verarbeiten. Die große Herausforderung ist, einfach dein Ding zu machen und einen Scheiß darauf zu geben, was andere sagen, denken oder tun. Ich bin noch weit davon entfernt, so zu leben, aber dadurch, dass ich mir das ständig ins Bewusstsein rufe, hilft es mir, wenn mal wieder alles zusammenfällt.

 

 Hast du einen Schreibtipp für uns?

Jeden Tag ein bisschen zu schreiben, finde ich sehr wichtig. Ich schaffe es selbst nicht wegen meinem Day-to-Day-Chaos. 2016 habe ich jeden Tag geschrieben und es war die beste Übung, um meinen ersten Roman in Angriff zu nehmen.

 

 Und einen Marketingtipp?

Haha! Man müsste meinen, dass ich als studierter Designer ein echter Marketing-Pro wäre, aber dem ist nicht so. Mit Marketing tue ich mich sehr schwer, weil ich nicht daran glaube, dass es die eine Formel für alle Autoren gibt.

Ich für mich habe herausgefunden, dass der Direktverkauf meiner Taschenbücher die beste Maßnahme ist. Ich kann persönlich mit den Lesern über die Geschichte und die Hintergründe sprechen. Sie können im Buch blättern, sich die Illustrationen ansehen. Der direkte Austausch mit den Lesern gefällt mir am besten und ich habe das Gefühl, dass ich in dieser Situation all meine Freude und all meine Absichten vermitteln kann. Und dass, obwohl ich ein recht introvertierter Mensch bin :) Bei einer schlichten Produktseite bei Amazon fehlt dieser menschliche Faktor komplett. Und das ist auch eigentlich, was das Selfpublishing auszeichnet. Die Nähe zum Autor.

 

Und zu allerletzt. Wo kann man dich finden?

Meine Bücher gibt es in meinem Shop oder in eurem Lieblingsbuchladen:

Die Ebooks gibt es bei Amazon.

 Für Live-Dates könnt ihr euch gerne auf meiner Website umschauen. Da plane ich gerade für die zweite Jahreshälfte.

 

Vielen herzlichen Dank, Robert. Ich finde es immer wieder motivierend und beeindruckend, wenn ich sehe, dass auch andere Menschen alles geben, um ihren Traum zu erfüllen, um am Ende ein eigenes Buch in den Händen zu halten. Ich drücke dir die Daumen, dass du noch sehr viele Leser und Leserinnen mit deinen Geschichten glücklich machst.