Warum das Schreibcamp die beste Idee der Welt war

Es ist schon wieder fast zwei Monate her, und dennoch zehre ich von den Erfahrungen des Schreibcamps. Da viele von euch total interessiert an meinen Erlebnissen im Schreibcamp waren, gebe ich euch hiermit einen kleinen Einblick in diese tolle Zeit.

 

Wer eines Tages vom Schreiben leben will, der kommt an Annika Bühnemann und ihrem Blog/ Kanal vomschreibenleben.de nicht vorbei. Als treuer Fan saugte ich schon seit Monaten jeden Tipp und jeden Beitrag von Annika auf und machte mich an die Umsetzung. Ohne sie hätte ich noch heute keinen Instagram Account und würde mich nicht bei jeder Szene fragen: Gibt es hier genug Konflikte? Ist die Fallhöhe auch groß genug? „Konflikte, Konflikte, Konflikte!!!“, höre ich stets, wenn ich eine Szene überarbeite.

 

Der Tagesablauf

 

Der Tag begann für mich meistens, bevor die anderen wach waren. Ich kochte Kaffee, setzte mich in diesen ultra genialen Sessel und schrieb die ersten Worte. Für mich ist das wichtig, dann habe ich das Gefühl, egal wie der Tag weiter geht, ich habe schon was geschafft, das kann mir keiner mehr nehmen.

Gegen 8 oder 9, ich habe es schon vergessen, gab es ein gemeinsames Frühstück. Am besten war echt der erste Tag, da startete das Frühstück nämlich mit einer hitzigen Debatte über Kommaregeln. So genial. Da weiß man, Schriftsteller sind unter sich 😊 Aber auch sonst entstanden tolle Gespräche, wir haben gemeinsam beratschlagt, was wir gerne auf Annikas Blog lesen würden, welche Themen gerade brennen und was unsere Schreibpläne sind.

Nach dem Frühstück machte sich fast jeder von uns an seine Schreibprojekte. Annika nahm sich jeden Vormittag, bei Bedarf auch länger, Zeit für einen Schreibcamp-Bewohner, um ihre Fähigkeiten als Marketingexpertin einzusetzen. Sie half uns bei bevorstehenden Buchveröffentlichungen, bei dem Plan einen Podcast ins Leben zu rufen, beim Erstellen von Websites und bei der Überarbeitung von Manuskripten. Diese Zeit war Gold wert und da konnte ich spüren, dass ihr wirklich viel daran liegt, dass andere Bücher und Autoren es schaffen.

Mittag konnte jeder für sich machen, doch meistens fanden sich auch hier ein paar Ausgehungerte zusammen. Der Nachmittag bestand wieder aus Schreibzeit und für so „Wribbelärsche“ (Wort von Mama) wie mich, gab es auch täglich einen Spaziergang entweder an der Nordsee oder an den Feldern entlang. Für mich ist das wichtig, weil mein Gehirn bei Bewegung Szenen plant. Ich werde nie vergessen, wie ich mit Isabell und Bernhard den Weg entlang schlenderte und plötzlich ein Plotknoten in meinem Hirn platzte. Ich rannte zurück, um schnell alles zu notieren, aber natürlich hatte ich den Schlüssel vergessen. Ich lache jetzt noch darüber. Mercier-Aktion halt.

Am Abend kochten wir gemeinsam oder wir gingen Essen. Lecker war es jedenfalls immer. Die Zeit danach verbrachten wir auch stets schriftstellerisch 😊 Wir machten eine Minilesung, bei der ich so aufgeregt war, wie beim ersten Mal Singen in der Schule. Schrecklich sage ich euch. Aber das Fazit war toll und ohne diese Erfahrung wäre vieles wahrscheinlich anders gekommen. Mein vorgelesener Prolog von der „Todesküsserin“ kam super an. Daraufhin wollten die anderen meinen Titel und mein Cover sehen, woraufhin sie mir versicherten, dass ich das bisher Geplante ändern muss. Cover und Titel deuteten auf das Erotik Genre hin und nicht auf einen Krimi oder Thriller. Ich wollte halt nicht dem Klischee entsprechen, doch lernte, dass ich genau das bedienen muss, damit jeder sofort sieht, mit was für einem Genre er es zu tun hat und kauft. Ich merkte, das war der entsprechende Wendepunkt. Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr wisst, jetzt wird alles gut und es passiert was Großes? Dieses Gefühl trug ich seit diesem Zeitpunkt jede Minute mit mir. Wahnsinniges Gefühl, aufregend und auch irgendwie beängstigend.

Aber ich schweife ab. An den anderen Abenden haben wir zum Beispiel Krimidinner gespielt. Das hatte ich bisher noch nie gemacht und es war wirklich toll. An einem Morgen hat jeder von uns ein Wort genannt, dass wir den Tag über in eine Kurzgeschichte einbauen konnte und dann am Abend haben wir diese Geschichten vorgelesen. Ich bin so begeistert davon, wie man aus sieben teilweise merkwürdigen Wörtern sieben so komplett unterschiedliche Geschichten basteln kann. Die sieben Wörter und das Resultat des Schreibcamp Textes könnt ihr bereits auf meiner Website finden.

Abends fiel ich dann glücklich in mein Bett und habe es nicht mal geschafft, zu lesen.

 

Was ich in der Zeit gelernt habe

 

Zu dem Thema Begrenzungen habe ich bereits einen Beitrag verfasst, doch ich möchte noch einmal kurz darauf eingehen.

Ich dachte bisher immer, ich kann nicht schreiben, zumindest nicht an einem Buch, wenn ich nicht allein bin. Aber das stimmt einfach nicht. Ich saß täglich mit zwei anderen Schreiberlingen zusammen und zwei Mal sogar mit Annika im Raum, die eine Beratung gegeben hat. Dann setzte ich einfach meine Kopfhörer auf und vertiefte das entsprechende Gefühl meines Buches mit Melodien. Das ging sogar so weit, dass ich bei einer Szene heulte, weil ich alles um mich rum ausgeblendet hatte.

Was ich außerdem gelernt habe, ist wie wichtig der Austausch unter Gleichgesinnten ist, und zwar offline. Durch Instagram habe ich dieses Jahr sehr viele Schreibbegeisterte kennenlernen dürfen und auch einiges an Tipps ausgetauscht, doch das ersetzt nicht mal ansatzweise ein echtes Gespräch mit Menschen, die ähnlich ticken. Anstatt zu schreiben, habe ich oft meine Chance genutzt und bin zu einer „Zigarettenpause“ zu Sabine gegangen, und wir haben uns erzählt, welche Szene wir gerade geschrieben haben, welche vor uns liegt und worüber wir gerade nachdenken. Meistens half schon das laute Aussprechen, um selbst auf die Lösung zu kommen. Die Kollegen konnten auch sehr gute Tipps geben, wie zum Beispiel, müsste jetzt nicht Samstag sein, da können die Kinder doch gar nicht in die Kita. Auf solche Sachen kommt man meistens ja selbst erst beim zehnten Überarbeiten. Und das Beste, wir halten jetzt unsere Zigarettenpausen per Sprachnachricht, was bisher auch gut funktioniert.

Wir tauschten uns aus über unsere Erfahrungen mit Schreibgruppen und Ratgebern, Websites und auch viel über Marketing. Ich gab Bernhard eine Instagram Einführung, mir hingegen zeigte Anke, wie man seine Charaktere noch besser kennenlernen kann und so war es ein stetiger Austausch.

So richtig habe ich keine Worte dafür, aber unter Gleichgesinnten zu sein, Tipps auszutauschen, das war einfach eine der besten Erfahrungen, die ich machen konnte. Vor allem, da ich total viel Selbstbewusstsein mitgenommen habe. Ich kann nicht mal sagen, wodurch genau, doch es herrschte eine Energie dort, von der ich noch wochenlang danach zehre.

 

Die Gruppe

 

Zum Schluss möchte ich euch gern noch die Teilnehmer vorstellen.

Von Annika Bühnemann habe ich euch ja bereits erzählt. Sie ist die Gründerin des Schreibcamps & des Blogs und YouTube Kanals vomschreibenleben.de.

Anke habe ich bereits in einem Interview auf meinem Blog vorgestellt. Sie schreibt als Loki Miller Liebesromane, die alle in und um Frankfurt am Main herum spielen. Ihre Protagonisten sind durchweg starke Frauen, die keinen Versorger, sondern einen gleichberechtigten Partner suchen, und jede Menge Humor haben. Das ist die eine Eigenschaft, die sie all ihren Figuren von ihr selbst gibt. Sie ist ein Schreibcamper der ersten Stunde und noch nie enttäuscht worden. Sie sagt selbst: „Eine Woche mit Menschen verbringen, die die gleiche Leidenschaft teilen, ist ein Traum. Die kreative Energie, die dort entsteht, die Gespräche und der Austausch untereinander, die Tipps und Ratschläge die man erhält - das ist eigentlich unbezahlbar.“

Hannes Niederhausen hat gerade einen tollen Podcast ins Leben gerufen, auf der er mit brummiger Stimme seine Kurzgeschichten vorliest. Klare Empfehlung für euch mal reinzuhören. Auch sein Buch „Gedankenspeicher“ kann ich euch wärmstens an Herz legen. Es ist ironisch und regt zum Nachdenken an. Eine tolle Mischung wie ich finde.

Bernhard Kürzl schreibt vorwiegend Fantasy, Sciencefiction und spirituelle Bücher. Auch wenn er schon sehr lange schreibt, dauerte es bisher immer mehrere Jahre, bis ein neues Buch herauskam. Das will er für das kommende Jahr ändern, dafür hat er einfach zu viele Ideen und zu wenig Lebenszeit. Da ihn das Filmemachen noch mehr begeistert, als das Schreiben, gehört er wohl zu den „Buchtrailermachern“ der ersten Stunde. Wer also jemanden sucht, der Buchtrailer erstellt, wird bei ihm vielleicht fündig. Sein aktuelles Buch ist „Der Lichtgarten von Helgoland“, ein spirituelles Abenteuer, das als Kinderbuch gedacht war und dann doch zu einem Jugendbuch (auch für Erwachsene!) wurde. Momentan bearbeitet er einen Sciencefiction-Roman, der Anfang des kommenden Jahres erscheinen soll. Voraussichtlicher Titel: „Rebekka und ihr Eichhörnchen – Das Luftschiff“.

Isabell Radeke schreibt in dem Genre Fantasy unter ihrem offenen Pseudonym Bella B. Blackhound. Seit 3 Jahren schreibt sie, neben ihrem Brotjob, an einer High Fantasy Trilogie. In dieser Geschichte gibt es Menschen die eine Tierseele in sich tragen, die auch Mirix genannt wird. Diese Mirix setzten sich mit dem 17. Lebensjahr frei, ebenso eines der vier Elemente, welches die Tierseele beherrscht. Um die Seele und das Element beherrschen zu können, müssen die Tierseelenbändiger, auch Mirixwächter genannt, eine der vier Akademien besuchen. Auf welche Akademie die Wächter gehen entscheidet das jeweilige Element, das in der Tierseele schlummert. Welche Akademie wird uns die Autorin zuerst besuchen lassen und welche Tierseele wird sie uns verliehen? Ich bin schon seeeehr gespannt.

Und zuletzt, darf ich vorstellen… Mary Kuniz, die Frau, die mir mit ihren „Zigarettenpausen“ immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Sie schreibt Liebesromane, aber auch im düsteren Schreibgenre ist sie unterwegs und fesselt mich an ihre Texte. Es ist unglaublich, wie schnell sie gute Texte in die Tasten haut. Ich glaube sie ist eine der wenigen Menschen, die einen ersten Entwurf schreibt, der wie eine finale Fassung klingt.

 

 

Ich hoffe, ich konnte all eure Fragen beantworten. Sollte etwas offen geblieben sein, schreibt mir gern.