Buchmesse: Achterbahnfahrt der Gefühle

 

 

Selten habe ich in zwei Tagen so viele Gefühle durchlebt wie bei meinem ersten Besuch auf der Frankfurter Buchmesse.

 

Meine Flixbusfahrt dorthin verlief sehr angenehm, weil ich ein tolles Buch von der lieben A.D. Wilk gelesen hatte. Mein erstes Liebesbuch (ich kann sowas sonst eigentlich nie lesen, wegen Brechreiz) und es war klasse. Ich war entspannt, auch wenn es einige nicht so schöne Emotionen hoch holte. Aber so ist das halt mit guten Büchern. Ich kann es jedem nur wärmstens ans Herz legen.

 

Als ich ankam, stellte ich fest, dass Messe, Hotel und Busbahnhof so nah beieinander lagen, dass ich noch Zeit hatte, schon am Samstag für eine Stunde hinzugehen. Natürlich hatte ich nichts geplant vorher, so dass ich mich auch mit niemandem verabreden konnte und einige der lieben Online-Kollegen auch schon verpasst hatte.

 

Im Hotel waren Visitenkarten für mich angekommen, die meine beste Freundin für mich erstellt hatte. Nicht, dass ich glaubte, sie loszuwerden, aber trotzdem war das irgendwie saucool. Ich postete es bei WhatsApp und Instagram und freute mich des Lebens. Die Achterbahnfahrt kribbelte angenehm im Bauch.

 

Ich kam also voller Ehrfurcht dort an, war sehr aufgeregt und stand vor diesen riesigen Hallen. Ich konnte sogar klären, dass mein Sonntagsticket in ein Wochenendticket umgewandelt wurde, so dass es finanziell nicht noch düsterer in meinem Portmonee wurde. So ein Messebesuch am Arsch der Welt ist schließlich nicht so easy zu stemmen. Zum Glück gibt es Flixbus und Hotels in gruseligen Gegenden, aber dazu später mehr.

 

Ich ging durch die Hallen, presste mich durch die Menschenmengen und versuche erstmal, mich zurechtzufinden. Wo muss ich morgen hin, wo sind die Toiletten (überall), was gibt es zu essen, wie teuer ist das alles? Es gab eine Pommesbude, an dem die Fritten 4 Euro kosteten, wahrscheinlich mit Gold überzogen, aber auch einen, bei dem man nur die Hälfte daließ. Außerdem gab es überall Eis. 3,50 € für zwei Kugeln. Jetzt mal ehrlich Leute, wer kauft das??

 

Nun ja, irgendwie wurde aus Ehrfurcht Mutlosigkeit. Ihr könnt euch das nicht vorstellen. Es schien so, als kannte jeder jeden und alle hatten so wahnsinnig tolle Bücher rausgebracht und jeder umarmte sich, signierte Bücher, lachte, trank Bier und schlemmte Eis. „Warum zur Hölle sollte ich nun auch noch ein Buch rausbringen? Es gibt wahrscheinlich mehr Bücher als Sterne am Himmel.“ Ich weiß nicht, warum und wieso, aber ich bekam Selbstzweifel, traute mich niemanden anzusprechen und trottete letzten Endes total demotiviert zum Eisstand. Ja, ich habe zwei Kugeln Eis gekauft, mein Trostpreis. Die Achterbahn ging mir einfach zu schnell. Mein Bauch rumorte, könnte aber auch das teure Eis gewesen sein.

 

Zurück auf meinem Hotelzimmer scrollte ich durch Instagram. Da entdeckte ich einen tollen Post. Es ging darum, dass man ausstrahlt, was man fühlt und dementsprechend das Ergebnis ist. Irgendwie weiß ich das, doch an dieser Stelle das nochmal zu lesen, war genau das Richtige, um meine Einstellung wieder zu ändern. Ich weiß nicht, warum das immer wieder passiert, dass einen die Selbstzweifel plötzlich so wie Lastwagen überrollen. Ich kann es mir nicht erklären, weiß aber, dass es passiert, wenn ich nicht regelmäßig meditiere. Ist vielleicht komisch, aber Hauptsache, ich habe den Zusammenhang erkannt. Durch eine Meditations-Challenge von Mojo Di meditiere ich gerade zwar jeden Tag in Stille, aber dadurch irgendwie nur 5 Minuten. Das ändere ich nun wieder und erhöhe auf 15-30 Minuten geführte Meditation plus die 5 Minuten nach dem Aufstehen. Aber ich schweife ab.

 

Ein neuer Blick auf mein Handy. Eine alte Klassenkameradin schreibt aufgrund meines Visitenkarten-Posts, dass sie total begeistert ist von meinen Texten, weil sie die jedes Mal total in den Bann ziehen, sie es nur noch nie gesagt hat. Wow. Neue Nachricht über Instagram. Jemand fragt mich, ob ich ihr Buch testlesen möchte. Ja gern. Wow. Eine alte Freundin schreibt, dass sie sich für mich freut und mir das Beste fürs Schreiben wünscht. Wow. Und so ging es plötzlich weiter. Irgendwas hatte sich verändert. War es so einfach? Das Gesetz der Anziehung. Ich staune immer wieder, aber ja, anscheinend ist es so einfach, auch wen es schwer ist. Ihr versteht mich, oder?

 

Ich war eigentlich zu einer Veranstaltung eingeladen, ich wurde nämlich mit einer Erotik-BDSM-Geschichte in einem Erotikmagazin veröffentlich. Normalerweise ich so: Boah hab ich Schiss vor, mach ich. An dem Abend nicht, ABER, es war Samstagabend, ich war in Frankfurt, es gab tausend Events, also suchte ich mir ein anderes raus, und ich ging motiviert und glücklich hin. Immer diese Gefühlsschwankungen 😊 Aber ich gebe zu, es war auch eine Hormonsache, ihr wisst schon.

 

Nun noch eine kleine Anekdote:

 

Taxifahrer: Wo müssen Sie denn hin?

 

Ich: xy-Straße. Normalerweise würde ich ja laufen, aber da war es ganz schön gruselig, dort hat jemand neben mir eins auf die Nase bekommen.

 

Taxifahrer: Dort wohnen Sie? Na da würde ich aber auch nicht laufen. Da habe sogar ich Schiss.

 

Ich: Danke, Herr Taxifahrer, ich dachte mir schon, dass der günstige Preis in der Nähe Gründe hat.

 

Taxifahrer: Also ich will Ihnen nur mal sagen, dass meine Kunden, die sich Drogen kaufen, sich dort mit den Dealern hinfahren lassen, weil die da alle wohnen.

 

Ich: Ich weiß nicht, ob ich das wissen wollte, aber vielleicht schlafe ich lieber mit geschlossenem Fenster heut Nacht und stelle einen Schrank vor die Tür. Mist, mein Klo ist auf dem Flur. Wenn ich dringend muss, könnte es einen Unfall geben.

 

Taxifahrer: Sie sind lustig.

 

Ja, genau. Ich bin lustig. Ich hoffte ja eher, ER machte nur Spaß.

 

Aber wie ihr seht, ich habe überlebt und der Taxifahrer ziemlich wahrscheinlich auch. Was er noch ausgeplaudert hatte: dass es die schlechteste Messe aller Zeiten war, und er jeden Tag 100 Euro weniger verdient hat, als sonst. Weiß jemand, warum das dieses Jahr so schlecht lief? Ich habe ja keinen Vergleich, aber wenn das schon eine schlechte Besucherzahl gewesen sein soll, dann bin ich froh, dass ich früher nicht da war. In einem Post von Laura Newman las ich, dass es 1000 Leute weniger als sonst gewesen sein sollen.

 

Am nächsten Morgen war ich top motiviert und freute mich, dass ich endlich Laura Newman live und in Farbe sehen würde. Auch ihren Thriller Blutparadies kann ich sehr empfehlen. Ich hatte mir spannende Programme rausgesucht und war den ganzen Tag beschäftigt. Die Zeit verflog wie im nu und ich war übermotiviert. Ich wollte Leseproben erstellen, und Lesezeichen, zu allen Messen der Welt fahren, zunächst aber erstmal mit der BuchBerlin weitermachen und irgendwie war ich wieder die mutige Sandy, die ich kenne. Ich habe die Leute von Wir machen Druck um Rat gefragt wegen der Leseproben, am Papyrus Stand einen Plausch gehalten, bin Selfpublisher-Verbandsmitglied geworden. Ich holte mein Belegexemplar vom Erotikmagazin ab und plauschte mit der Verlegerin. War stolz wie Oskar gewann am Ende des Tages auch noch einen Erotik-Comic. (Irgendwie scheint mich das Thema Erotik in den letzten Wochen immer wieder einzuholen.) Heute brauchte ich kein Eis. Die Achterbahnfahrt machte wieder Spaß.

 

Und habe ich schon erzählt, dass Georgien das Gastland war? Herrlich. Es war schön, ich komme wieder, auch wenn ich beim nächsten Mal einiges anders machen würde.

 

Eine spannende Achterbahnfahrt, ein Auf und Ab, ohne Übergeben, geradeso.