8 Tipps für einen konzentrierten Schreibflow

In letzter Zeit hatte ich Probleme, wieder in meinen normalen Schreibflow zu finden. Das hat mich so genervt, dass ich auf Spurensuche ging. Nun bin ich wieder ganz die Alte und die Seiten füllen sich fast wie von selbst. Vielleicht hilft euch der ein oder andere Tipp:

 

1)      Schreiben am Morgen, ohne Kummer und Sorgen

Wenn ich morgens aufwache, lasse ich seit neustem mein Handy aus. Ich mache mir einen Kaffee, starte den Laptop und öffne nur Word oder Papyrus, je nach Projekt. Und dann schreibe ich eine Stunde. Ich habe anfangs mit 30 Minuten begonnen, doch weniger kommt für mich nicht in Frage, denn ich finde nur 10 Minuten an meinem Projekt zu schreiben zu unbefriedigend, zumal ich mich immer gerade so schön eingeschrieben habe und dann soll schon alles vorbei sein?

Ich habe direkt nach dem Aufstehen einen völlig ungefilterten Blick auf die Geschichte und Selbstzweifel hatten noch keine Zeit, an meinem Hirn zu nagen, daher ist für mich der Morgen so wichtig. Mein Konzentrationslevel liegt bei 100 %. Natürlich hat jeder einen anderen Biorhythmus, doch hier geht es eben um die Tipps, die mir helfen. Und wie motiviert man durch die Welt geht, wenn man schon eine Stunde am Morgen geschrieben hat. Wow.

 

2)      In die Stille gehen

Wenn mein Hirn schon wieder pausenlos umherspringt und es sich in meinem Kopf anfühlt, als hätte ich Buchstabensuppe gekocht, dann gehe ich in die Stille. Da dies sehr schwer ist, versuche ich, lediglich zehn Minuten zwischen der Arbeit einzuschieben. Immer wenn ich eben merke, dass ich nicht mehr fokussiert bin und sich meine Gedanken drehen, setze ich mich auf mein Meditationskissen oder auf meinen Drehstuhl, den Wecker auf zehn Minuten gestellt, und versuche mich zunächst auf meinen Atem zu konzentrieren. Es ist leichter, sich nicht von den eigenen Gedankenketten ablenken zu lassen, wenn ich versuche, meinen Atem zu beobachten. Ich sage mir innerlich das Wort ein, beim Einatmen, aus beim Ausatmen. Ruhe, beim Einatmen, Kraft beim Ausatmen, usw. Wenn ich merke, dass ich allein zu unkonzentriert bin, lasse ich eine geführte Atemmeditation von Mojo Di laufen. 

Es sind nur ein paar Minuten, doch ich finde, die reichen oft, um sich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es gibt inzwischen viele Studien darüber, dass Meditation die Konzentrationsfähigkeit zurückbringt. Deshalb meditiere ich meistens am Abend noch einmal ohne Zeitdruck. Auch hier wechsle ich je nach Tageslaune und meditiere still, oder suche mir eine geführte Meditation aus dem Netz.

 

3)      Affirmationen

Oft schleichen sich Selbstzweifel ein. Sie schreien in mein Ohr, welchen Quatsch ich da schon wieder zusammengeschrieben habe, wer das denn bitte jemals lesen soll, was der Text überhaupt für eine Daseinsberechtigung hat und so weiter. Ich gehe davon aus, ihr kennt das. Um dem entgegenzuwirken, habe ich verschiedene Lieblingsaffirmationen. Einen gesonderten Artikel dazu findet ihr hier.

Das Gehirn glaubt, was man ihm unterjubelt, also denke ich nicht mehr darüber nach, wie schlecht meine Texte sind, sondern ich sage mir positive Sätze auf, zum Beispiel: Ich bin erfolgreiche, talentierte, disziplinierte, kreative Schriftstellerin. Dabei stelle ich mir vor, wie ich einen Verlagsvertrag unterschreibe oder eine gut besuchte Lesung gebe. Sofort ändert sich etwas in mir, ein Lächeln huscht über mein Gesicht und es wird leichter, sich wieder an den Schreibtisch zu wagen.

 

4)      Date mit meinem Schreibprojekt

Inzwischen habe ich mir feste Termine für meine Schreibprojekte eingetragen. Besonders am Anfang eines Buchprojekts nagen Selbstzweifel an mir. Wenn ich erst einmal ein paar Tage an einer Routine gearbeitet habe, dann ergibt sich der Rest wie von selbst, doch die ersten Tage stelle ich mir einen Wecker zu einer bestimmten Zeit und wenn der klingelt, schalte ich mein Handy und alles andere aus, so wie auch schon am Morgen, und befasse mich eine Stunde lang nur mit meinem neuen Projekt.

 

5)      Rituale

Kleine Rituale machen viel aus. Sie haben mich zurück in meinen normalen Schreiballtag gebracht und helfen mir, egal ob ich zweifle oder nicht, mich trotzdem an mein Projekt zu wagen. Das tägliche Schreibdate ist ebenso ein Ritual, wie die klassische Musik, die ich nachmittags beim Schreiben laufen lasse. Morgens steht die Kaffeetasse bei mir und nachmittags ein liebevoll angerichteter Obstsalat. Es wird von Tag zu Tag leichter, versprochen. Welche Rituale habt ihr?

 

6)      Schreib, was dir in den Kopf kommt

Eins meiner Probleme war, dass ich eine feste Vorstellung von dem hatte, was ich gerade schreiben wollte. Ich wollte meinen Thriller zu Ende schreiben. Doch dann wurde ich aus der Routine gerissen, war im Urlaub und wochenlang auf Reha und plötzlich hatte ich meinen Thrillerflow nicht mehr, andere Dinge waren wichtig und ich wusste nicht, wie ich das alles unter einen Hut bringen sollte. Ich war total unzufrieden, weil mein Projekt nicht vorwärts ging und dachte, ich sei im absoluten Schreibstillstand, dabei war ich alles andere als das. Ich schrieb nach wie vor täglich Tagebuch, und statt meines Projektes schrieb ich täglich Gedichte und seitenlange Briefe, manchmal auch Kurzgeschichten oder Blogbeiträge.

Mich wies eine gute Freundin darauf hin, dass ich mich nicht mehr zwingen lassen wollte, Dinge zu tun, die ich nicht mehr möchte, warum ich mich nun selbst zwingen wollte, den Fluss in eine andere Richtung zu lenken. Diese Frage hatte mich umgehauen und meine Vorstellungen endlich zurück ins rechte Licht gerückt. Ich habe anerkannt, das Schreiben eben Schreiben ist, und nun lasse ich den Thriller pausieren und schreibe an einem humorvollen Buch, das thematisch derzeit etwas mehr meinem Hirn entspricht. Seitdem schreibe ich also auch wieder an einem Buchprojekt, eben nur an einem anderen. Das gute an Manuskripten ist ja, sie laufen nicht davon und können reifen.

 

7)      Der gute alte Spaziergang

Es wird immer wieder unterschätzt, wie wichtig Bewegung ist. Wenn ich mal bei einer Szene ins Stocken komme, oder einfach nicht weiß, wie es weitergehen soll, dann schnappe ich mir Zettel, Stift und Diktiergerät (in dem Fall mein Handy), gehe in den Park oder husche ins Fitnessstudio aufs Laufband. Wenn ich in Bewegung komme, dann bewegen sich auch meine Gedanken, das war schon immer so, weshalb ich oft meine Geschichten beim Sport oder Spazierengehen plane. Versucht es doch mal.

 

8)      Der erste Entwurf von allem ist scheiße

Schon Hemingway wusste, dass der erste Entwurf von allem scheiße ist. Ich erlaube mir also, dass meine erste Fassung nicht perfekt sein muss. Wichtig ist, dass ich im Schreibfluss bleibe und nicht nach dem perfekten Satz suche. Denn dabei kann man nur verlieren. Ich habe mir also den Spruch in meine Küche gehangen. Bei jedem Kaffee- oder Teenachschlag schaue ich über meinen Kühlschrank und sage mir immer wieder, der erste Entwurf von allem ist scheiße, das ist okay.

 

Ich weiß, wir ticken alle anders, doch vielleicht konnte dieser Beitrag dem ein oder anderen etwas helfen. Ich wünsche euch einen angenehmen Schreibflow. Berichtet mir gern, was euch sonst noch so hilft.

 

Eure Sandy

 

 

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