Reisen für neue Schreibinspiration - meine top 6 aus Georgien

Ich bin wieder da und meine Georgienreise war großartig. Ich kann nur jedem empfehlen, dieses Land mindestens einmal im Leben zu erkunden.

Meine Schreibprojekte lagen dadurch etwas brach, ich habe es auch wirklich sehr vermisst, in meinen Laptop zu hämmern und Geschichten zu kreieren, doch dafür habe ich viel Inspiration gesammelt. Unzählige Szenen spielten sich andauernd in meinem Kopf ab, weil die Kulissen dafür einfach perfekt waren. Hier meine top 6 für Schreibinspiration durch meine Georgienreise:

 

1)      Prometheus Höhle

Bereits am Tag nach der Anreise in Kutaissi, entschieden wir uns, die Prometheus Höhle zu besichtigen. Der ein oder andere mag denken: „Boah, wieder eine Höhle anschauen, wozu? Ich habe schon Tausende gesehen.“ Ja, kann sein, aber nicht diese.

1984 wurde dieser Schatz entdeckt, 2012 wurde die Prometheus Cave für den Tourismus eröffnet. (Was ich schlecht und gut zugleich finde.) Runterhängende Stalaktiten, wachsende Stalagmiten, Tropfsteinwände, versteinerte Wasserfälle und unterirdische Flüsse werden durch ein farbenfrohes Licht inszeniert. Als ich dort eintrete, läuft mir ein Schauer über den Rücken. Nicht nur, weil es hier eher zwischen 10 und 15 Grad sind, statt 35 so wie draußen, sondern auch, weil ich das Gefühl nicht loswerde, im Innenraum der Erde zu stehen, der sinnbildlich für die Menschheit, aber auch den Körper steht.

Auf dem Titelbild dieses Beitrags könnt ihr ein Bild davon sehen, ich denke ihr werdet verstehen, warum hier das Schreibhirn angeregt wird. Ehrfurcht strömte durch meinen Körper. In meinen Gedanken konnte ich hier alle Geheimnisse der Erde und des Körpers entschlüsseln. (Bild 1)

 

2)      Zchaltubo

Zchaltubo war einer der begehrtesten Orte der Sowjetzeit. Dort wurde sich erholt, gekurt, entspannt. Es gab bis zu 20 Sanatorien, die dank der radonhaltigen warmen Quellen in dem Ort gut besucht waren. Doch das Ende der Sowjetunion war auch das Ende dieses Erholungsgebietes. Alles was blieb, sind verlassene, zerfallene Sanatorien, ein großer Park und ein kleiner See, in dem ich definitiv nicht baden würde. Zchaltubo erinnert an eine Geisterstadt, auch wenn sie wieder im Aufbau ist. Während des Bürgerkrieges ließen sich dort tausende Flüchtlinge nieder, doch auch diese sind inzwischen wieder fort.

Ihr könnt euch vorstellen, wie es einen in den Beinen kribbelt, wenn ihr vor so einem alten zerfallenen Gemäuer steht. Geh ich rein? Fällt mir die Decke auf den Kopf? Hausen da vielleicht Obdachlose? Da darf sicher keiner rein. Und schwups, standen wir in einem riesigen Saal ohne Decke, ohne Türen, ohne Fenster. Die Treppenstufen knarrten, es roch nach Urin, wir waren nicht sicher, ob der Boden jeden Moment durchbrechen würde. Doch die Neugierde war zu groß und so schlichen wir von Raum zu Raum, jeder hatte eine andere Tapete. So viele Geschichten müssen sich hier abgespielt haben. Menschen, die Heilung suchten, Flüchtlinge, die Schutz fanden. Was spielte sich wohl in den Zimmern ab? Vielleicht wurden Geheimnisse unter den Holzböden versteckt? Und siehe da: Ich fand hier und da ein herausgenommenes Stück Holz. Einmal sogar mit einem Zettel drinnen, doch ich war zu feige, ihn anzufassen, hätte es eh nicht lesen können. Ich fragte mich, was, wenn hier Botschaften für jemanden hinterlassen wurden? Ich fand eine Pik 2.

Na, wem fallen jetzt nicht ein paar spannende Geschichten ein? (Bilder 2-5)

 

3)      Die Märchenstadt Signagi

Signagi ist eine der kleinsten Städte Georgiens und erinnert an eine Märchenstadt. Sie liegt an den Hängen eines Berges im Osten des Landes und ist von einer Mauer mit 28 Türmen umgeben. Verwinkelte Straßen, Häuser mit italienisch-georgischem Stil, wilder Wein, der alles umrankt, was er zu fassen bekommt, der schneebedeckte Kaukasusgipfel in der Ferne und Wolken, Himmel, Wolken.

Eine romantische Atmosphäre liegt in der Luft, so ist es nicht verwunderlich, dass Signagi als Stadt der Liebe bekannt ist. Dort kannst du zu jeder Tages- oder Nachtzeit heiraten.

Na, wer von euch ist inspiriert, über eine leidenschaftliche Liebesgeschichte zu schreiben? (Bilder 6-7)

 

4)      Weintesting in Signagi

Signagi gehört zu Kachetien, welches die größte Weinbauregion Georgiens ist. Die Legende besagt, dass sich der Wein von dort aus über die ganze Welt verbreitet hat. Was ist also sinnvoller als ein Weintesting? 😊

Der Schweiß lief uns in Strömen über das Gesicht, unsere Klamotten klebten an unseren Körpern, als wir endlich das Weingut erreichten. Besoffene aus aller Welt torkelten uns entgegen und uns wurde ein wenig mulmig. Gehen wir da auch so raus?? Und finden wir das gut oder schlecht? Ihr kennt diesen Gedanken sicher. 😊

Wir entschieden uns also für das Testing. Ein eingewanderter Amerikaner führte uns durch die Welt des Weines und des Trinkens und erklärte uns die Regeln des georgischen Trinkens. Er übernahm die Toasts, denn in Georgien wird nicht grundlos getrunken. Der Erste geht auf die Gastfreundschaft und die Gäste, der Zweite auf die Ahnen, der Dritte auf die Frauen usw. Käse und Brot mit selbstgemachten Sonnenblumenkernöl half uns, nicht gleich betrunken zu werden.

Der Abend nahm seinen Lauf, die letzten Gäste gingen, es wurde ruhiger, es wurde dunkler, der Blick wurde benebelter. Dieser Mann schien interessiert an uns zu sein, seine Worte sprachen von Glück, seine Augen von Einsamkeit. Er tat offen, doch offenbarte fast nichts über sich. Ab und an prahlte er mit Dingen, die nicht wichtig sind. Hinter seinen Augen steckt eine traurige Geschichte und ich wette, er hat mindestens einmal im Leben davon gesprochen, ein einsamer Wolf zu sein.

Doch was, wenn sein Leben ihn zu einem Monster gemacht hat? Was, wenn er uns etwas in unsere Gläser getan hat? Was, wenn wir plötzlich aufwachen, und angekettet in einem Weinkeller liegen? Was, wenn wir hier nie wieder wegkommen? Weiß eigentlich irgendjemand, wo wir gerade sind? Wüsste ich den Weg zurück? Kann man mich schreien hören? (Bild 8)

 

5)      Tblisi und seine Menschen

Zugegeben, das kann sich überall abspielen, doch meine fand nun mal hier statt.

Eines beginnenden Abends liefen wir die Straßen Tblisis entlang und an den Straßenrändern verkauften alte Frauen Himbeeren, Kirschen, boten an, sich zu wiegen, verkauften Schmuck, frisch gepressten Saft, Kwas und so weiter. Von weitem sah ich eine schwarz gekleidete Frau und sofort wurde mir etwas mulmig. Ich kann es nicht genau erklären, aber ich hätte ab liebsten die Straßenseite gewechselt.

Da merkte ich, wie meine Freundin mich näher an sich ran zog. „Ey, guck da nicht hin. Ich erklärs dir später!“

Super, ist ja nicht so, als würde ich mir gleich in die Hose machen. Als wir vorbei waren, erzählte sie mir eine Geschichte aus Polen. Als kleines Mädchen lief sie mit ihrer Oma an einer alten schwarzgekleideten Frau vorbei. Ihre Oma mahnte sie, nicht hinzugucken, doch das ist so, als würde dir jemand sagen: „Denk nicht an einen rosa Elefanten!“ Sie schaute der Frau in die Augen, obwohl sie Angst hatte. Zuhause angekommen bekam sie Durchfall, Magenschmerzen und ihr war übel. Wurde sie etwa verflucht? Zum Glück kannte ihre Oma ein Gegenmittel.

So, und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Gruseln und selbst überlegen, wie diese Begegnung hätte ausgehen können, wenn ich der Alten in die Augen geguckt hätte! (Definitiv kein Bild)

 

6)      Kazbegi/Stepansminda und Mestia

Im Norden Georgiens blüht das Wanderherz auf. Kazbegi liegt auf 1700 Meter, Mestia auf 1500 Meter. Um diesen Beitrag nicht noch länger werden zu lassen, empfehle ich euch nur noch kurz den Aufstieg zur Gergetier Dreifaltigkeitskirche in Kazbegi (Bild 9), eine Wanderung zum Mount Ushba Gletscher (25 km von Mestia entfernt, was ca. 2 Stunden Autofahrt sind) (Bild 10) sowie den Aufstieg zu dem Bergsee Koruldi (Bild 11).

Wer da nicht auf mystische Geschichten, über den Weg zum Ende der Welt kommt, dem ist auch nicht mehr zu helfen 😊

Ich hoffe, ich konnte euch ein wenig inspirieren und eure Fantasie ankurbeln. Lasst mir doch gern ein paar Worte über eure anregenden Urlaubsbilder per Mail zukommen.

 

 

PS: Wer von euch bekommt im Flugzeug auch immer Gedanken an „Lost“ und spinnt die Folgen mit sich selbst als Hauptdarsteller weiter? (Bild 12)