Interview mit Sabine Bürger

Liebe Sabine,

 

ich bin durch eine Leserunde auf dich aufmerksam geworden und nun ganz begeistert von deinem Booksnack (eine Kurzgeschichte) „Der zweite Schatten“. Magst du dich vielleicht kurz vorstellen?

 

Oh, das freut mich sehr, weil ich bereits seit mehr als zwanzig Jahren schreibe und die Kurzen zum Teil bereits in Fernsehzeitschriften (Auf einem Blick) erschienen sind. Als Booksnacks haben sie nun ein neues Zuhause bei DP gefunden, einem Verlag, der mir sehr gefällt.

Zu mir gibt es nicht viel zu sagen. Ich war und bin eine begeisterte Leserin, habe aber erst, nachdem meine Kinder aus dem Haus waren, neben meinem Brotjob mit dem Schreiben begonnen. Für mich war eine dreijährige fernmündliche Schule des Schreibens Pflicht. Schreiben ist ein Handwerk, stimmt, und lernen kann man alles, trotzdem bin ich der Meinung, dass ein gewisses Talent die Grundvoraussetzung für einen angehenden Autor sein sollte. Fehlen Fantasie und Vorstellungsgabe, Worte und Sätze poetisch miteinander verbinden zu können, bleiben alle Texte nüchtern, langweilig und uninteressant.

Nach der Schreibschule hatte ich das unverschämte Glück, für eine Agentur schreiben zu dürfen, die mir tüchtig die Hörner abgestoßen hat. Ein schmerzhafter Prozess, bei dem ich sehr viel lernen konnte, aber auch begreifen musste, wie hart und gnadenlos die Branche urteilt, das Geschäft mit dem Schreiben generell ist.

Man braucht einen langen Atem, darf niemals aufgeben und muss sich ein Fell, dicker als das eines Elefanten wachsen lassen, um durchzuhalten. Private Befindlichkeiten sind fehl am Platz. Nicht einfach für einen sensiblen Menschen wie mich.

Seitdem bin ich Verlagsautorin, schreibe Bücher für Kinder und Erwachsene. Kurzgeschichten, Novellen, Thriller und Erotik, mit und ohne Pseudonym – eine wunderbare Sache, der ich bis heute treu geblieben bin.  

 

Ich habe gelesen, dass du mehrere Genres bedienst, Romane sowie Kurzgeschichten schreibst. Hast du Vorlieben, welches Genre dir mehr liegt oder Spaß macht?

 

Ich schreibe alles sehr gern. Das bringt Abwechslung in den Alltag, schult den Geist und ist jedes Mal eine Herausforderung, wenn ich an das Schreiben über historische Zeiten oder unbekannte Schauplätze denke. Das erfordert eine Menge Recherchearbeit, die ungeheuer interessant sein kann. Bei den Texten zu meinen Hexenkindern zum Beispiel, musste ich mich nicht nur mit dem 16. Jahrhundert, sondern auch mit der Kunst des Glockengießens vertraut machen. Einem Handwerk, das heute noch so betrieben wird, wie vor fünfhundert Jahren. Hinzu kam, dass meine Oma am Glockengießerhof in Rostock gewohnt hat – eine Erinnerung an meine Kindheit, ihre Liebe und Güte zu mir.

Aber auch vor Thrillern schrecke ich nicht zurück. Übungen dazu waren meine Kurzen, die vorgeschriebene Zeichen, Inhalt, Spannung und Pointe aufweisen mussten, um veröffentlicht zu werden. Es ist herrlich, einen Bösewicht zu jagen, den man bereits kennt.

Besonderen Spaß machen mir noch immer Liebesromane mit einer Portion Erotik. Keine flachen, primitiven Szenen, sondern echte Liebe, die ohne Sex nicht vorstellbar ist. In meinen Texten muss es prickeln, nicht abstoßen, der Leser soll in die Handlungen eintauchen können, weinen und lachen und sich vorstellen können, dass ihm genau das passieren wird, weil es nichts Schöneres als die Liebe mit ihren vielschichtigen Emotionen gibt.  

 

Schreibst du lieber Kurzgeschichten oder Bücher?

 

Beides ist interessant. Bücher dauern viel länger, benötigen einen richtigen Aufbau, ein Exposé, gut durchdachte Handlungen, die bis zum Schluss spannend sein müssen. Nichts ist tödlicher als ein langweiliges Buch.

Kurzgeschichten sind anders angelegt. Hier muss der Leser seine Fantasie spielen lassen und trotzdem den Eindruck bekommen, einen ganzen Roman gelesen zu haben. Das ist eine besondere Herausforderung, die leider häufig unterschätzt und nicht beachtet wird. Kurze müssen kurz sein, wer das nicht möchte, weder als Autor noch als Leser, sollte die Finger davon lassen. 

 

Ich habe mir schon den ersten Teil von „Hexenkinder“ bestellt, das Thema interessiert mich brennend, so dass ich ursprünglich meine Masterarbeit dazu schreiben wollte. Daraus ein Buch für Kinder zu kreieren, stelle ich mir gar nicht mal so leicht vor. Was inspiriert dich zum Schreiben und wie kommst du auf deine Ideen? Fallen sie dir zu oder gehst du auf die Suche?

 

Meine Ideen kommen zufällig, das plane ich nicht. Hin und wieder durch eine Zeitungsnotiz, eine Begebenheit, ein Gespräch, eine Beobachtung. Das Leben ist voller Geschichten, hält man Augen und Ohren offen, kommen sie von ganz allein. Wichtig ist immer, wie und was man als Autor daraus macht, den Stoff ins richtige Licht setzt.

Kinder sind spezielle Leser, kritisch, ehrlich, emotional und vollkommen unbestechlich. Viele Lesungen haben mir gezeigt, wie man es richtig machen muss, um den kindlichen Nerv zu treffen.

Es freut mich sehr, dass du meine Hexenkinder lesen möchtest. Ich wünsche dir Spaß und schöne Lesestunden. 

 

Wie viel Zeit benötigst du für ein Buch?

 

Das ist unterschiedlich und abhängig von der Länge eines Stoffes. Meistens schreibe ich gründlich, das bedeutet langsam, mit vielen Verbesserungen, noch mehr Verbesserungen, Änderungen und Umformulierungen, bis ich mich selbst stoppen muss, um irgendwann fertig zu werden. Das hält auf, aber zufrieden bin ich selten. Also für ein Buch mit 300-400 Seiten kann es bis zu einem Jahr dauern, bis ich endlich ENDE drunter setze.

 

Wie bist du zu einem Verlag gekommen?


Mein erstes Manuskript habe ich einem Hamburger Verlag geschickt, völlig ahnungslos und blauäugig, weil dieser Herausgeber mein eingesandtes Genre überhaupt nicht verlegte. Allerdings war dieser Verlag begeistert (herrlich für jeden Anfänger und durchaus unüblich, wie ich später feststellen sollte) und hat mich zu meiner damaligen Nürnberger Agentur vermittelt. Seitdem bin ich Verlagsautorin geblieben, arbeite mit mehreren Verlegern zusammen und schätze gute Zusammenarbeit.

 

Was sind deine Herausforderungen als Autorin?

 

 

Das Schreiben an sich ist eine Herausforderung. Unsere schöne Sprache lebendig zu erhalten, gut verständlich und einfach zu schreiben, damit alle Leser Freude an Büchern behalten. Qualität und sprachliches Niveau beachten, etwas, was momentan oft auf der Strecke bleibt und meine größte Anforderung an mich selber ist. Und natürlich nicht über meinen Jahrgang nachdenken. Ich wünsche mir einfach, noch lange das tun zu können, was mich und meine Leser glücklich macht.  

 

Was ist dein Geheimtipp für spannende Bücher schreiben?

Gut durchdachte Handlungen, Spannung, Spannung, Spannung aufbauen, Ehrgeiz und einen eisernen Willen entwickeln, niemals aufgeben, egal wie oft man auf die Schnute fällt, demütig sein, die Konkurrenz ist groß und besser – und niemals denken, perfekt zu sein. Das Geschäft mit dem geschriebenen Wort ist harte Arbeit mit vielen einsamen Stunden, die man mit seinem Manuskript verbringt. Es ist eine Tätigkeit, die geprägt ist von Geringschätzung, Unverständnis, Neid und Missgunst. Und trotzdem die schönste Arbeit, Leser zu begeistern, ihnen den Alltag zu verschönern, sie in eine andere Welt entfliehen zu lassen, wenn es mal nicht so gut läuft. Einen Geheimtipp gibt es nicht. Schreiben ist immer das, was man daraus macht – ein wenig auch ein Spiegelbild der eigenen Seele, glücklich zu sein und dieses Gefühl mit anderen zu teilen.
Das ist mein Anliegen, dafür schreibe ich, lese ich, lerne, weine, lache und lebe ich – jeden Tag.

Ich bedanke mich ganz herzlich bei Sandy für die Möglichkeit, in einem Interview Rede und Antwort zu stehen. Es war mir ein Vergnügen.

 


Sabine Bürger
(Mia Brown, Dora Joers)

 

Auch von mir natürlich ein großes Dankeschön an Sabine. Bei LovelyBooks läuft gerade auch noch eine Leserunde mit ihrem Booksnack "Ostereier mit Schuss" bis zum 16. April 2018. Meldet euch doch gern an, um die Kurzgeschichte, im Austausch für eine Rezension, lesen zu können.