Autorinnenfotos

Ich habe oft von diesem Wort gelesen und dachte mir, häh? Da gibt es eine extra Kategorie? Aber natürlich gibt es das. Ich dachte, dass ich damit noch ein bisschen Zeit habe, doch dann fand ich einen Wettbewerb für ein Schreibstipendium, für den ich ein Autorinnenfoto benötigte.

Ich gehe also zu dem Fotostudio meines Vertrauens und frage ganz peinlich berührt: „Macht Ihr auch Autorenfotos?“

Verdaddert guckt er mich an und fragt, wofür genau ich das brauche. Ja, das habe ich befürchtet, mehr Selbstbewusstsein Sandy, also straffe ich die Schultern und sage, dass ich die bald für mein erstes Buch benötige, sowie für eine Stipendienbewerbung.

Der Typ verstand, ich wurde nicht blöd belächelt und er erklärte mir, dass es dafür die Kategorie Businessfotos gibt. 69 Euro für 90 Minuten, inklusive Makeup. Naja, glücklich war ich nicht über den Preis, aber was will man machen, ich sehe es als Investition, vereinbare den Termin, sitze ein paar Tage später bei Studiolines und erkläre einer netten Dame erneut, wofür ich diese Bilder brauche. Die Fotografin war sehr interessiert und versprach, mein Buch zu kaufen, wenn es denn raus ist. Wow, wie nett.

Die 90 Minuten gehen sehr schnell vorbei, es macht sogar ein bisschen Spaß, doch am Ende trifft mich der Schlag. Ich bekomme für das Geld nur ein Bild gedruckt und digital, Nachbestellen nicht möglich. Nun sucht mal bitte aus einer Sammlung von einer Million Bilder ein Foto aus, zumal die für mich alle irgendwie furchtbar aussehen :D Kennt Ihr das, wenn Ihr den Wald vor lauter Bäumen nicht seht, und Ihr keine Ahnung habt, ob die Bilder wunderschön oder total daneben sind?? So stehe ich nun da und die Fotografin listet mir die Preise auf, falls ich mehr Bilder kaufen möchte.

Natürlich schlägt sie mir vor, das teure Paket zu nehmen, denn dann würde ich auch noch ihr Lieblingsbild samt Bilderrahmen, der schon perfekt vorbereitet war, erhalten. Ahhh. Ich stehe eine gefühlte Ewigkeit mit ihr zusammen und suche Bilder aus, hatte eine wage Vermutung, was mein angekratztes Konto davon halten würde, doch entscheide mich völlig überfordert für eine mittlere Version. 15 Bilder für 149 Euro plus das eine für 69 Euro. Als ich für eine halbe Stunde etwas Essen gehe, um auf die Bilder zu warten, stochere ich gedankenverloren in meinem asiatischen Gemüsereis mit Erdnusssoße.

Habe ich gerade 218 Euro ausgegeben, obwohl ich pleite bin?? Und das für Bilder, von denen ich nicht mal wusste, ob sie schön geworden sind?? Ich musste mal wieder über mich selbst lachen und versuchte, mir die Welt schön zu reden. Ich kann diese Bilder als Bewerbungsfotos nehmen und meine Familie freut sich immer über professionelle Bilder. Geschenke sind gesichert. Ist doch auch viel wert.

Wenig später zuhause angekommen, fotografiere ich die Bilder für meine Freunde, denn ich brauche Hilfe beim Aussuchen für die Stipendienbewerbung. Der erste Kommentar: „Und wo bleiben die guten Bilder?“, gefolgt von: „Wieso siehst du denn überall so dick aus? Das bist doch gar nicht du! Was hat die Fotografin denn mit dir angestellt?“

Ganz ehrlich? Ich liebe meine Freunde genau dafür :P Dann hab ich das alles nicht mehr so ernst genommen, ein Foto ausgewählt und habe schon die ersten zwei kleinen Porträts verschenkt. Mutti und Oma freuen sich doch über ihr Enkel-/kind, dass endlich nicht mehr so dünn aussieht 😊 und nun heißt es warten auf die Stipendienergebnisse.