Ein Baby ward geboren

Drei Tage saß ich nun ganz allein in meinem Kämmerlein und habe überarbeitet, was das Zeug hält.

Ich habe mit einer Hingabe an meinen Worten gefeilt, eine Hingabe, die ich bei meinen Nägeln nie aufbringen konnte und dann… dann war es passiert. Ich war fertig.

Das Gefühl, wenn man die ersten Überarbeitungen hinter sich hat und weiß, nun muss es in die kleine Welt der Testleser und -leserinnen, man kann es nicht mehr hüten und beschützen. Die ganze Zeit wartete ich sehnsüchtig auf diesen Moment, wenn andere Menschen mein Buch endlich lesen konnten, und mir verdammt nochmal sagen, wie sie mein Baby finden 😊

Werden sie sagen, dass es niedlich ist, obwohl sie sich denken, wie kann sie dieses Kind ernsthaft schön finden oder sind sie ehrlich, damit ich die nötigen Korrekturen vornehmen kann?

Wird es ihnen gefallen? Lesen sie es in einem Ruck, weil mein kleiner Psychothriller so spannend ist oder müssen sie sich überwinden, weil mein Buch sich zäh wie Leder anfühlt?

Das Gefühl ist unglaublich, eine Mischung aus Stolz und Angst, so viele Wenns…

Doch noch andere Gefühle werden sofort stärker, als ich die Finger von den Tasten nehme. Meine Blase platzt gleich, mein Wasserglas ist schon seit Stunden leer und wann habe ich das letzte Mal etwas gegessen?

Eine Seite noch, versichere ich mir seit Stunden, eine Seite noch. Und nun, sind es auf Papyrus ganze 147 Seiten. Es ist ein leichtes Kind geworden, doch schon schwerer, als mein erstes anonymes Baby.

 

Es ist endlich soweit, ein neues Baby ward geboren 

 

Photo by pixabay/Kruscha